Selbsterkennisse durch Auslandsbesuche - China vs. Deutschland

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Jeder, der einmal eine längere Zeit im Ausland gelebt hatte, also mehr als nur Hotel und Sightseeing gesehen hat, kann wohl darüber berichten: Das man einiges über sich selbst und die deutsche Kultur lernt. Insbesondere die vielen kleinen Dinge, an die man vorher gar nicht gedacht hatte, oder es für nicht möglich gehalten hätte, das man dies anders, als in Teutonien machen könnte.

Die Wohnung

Erkenntnis: Deutsche sind sehr genau, fast schon pingelig

Das erste was mir direkt auffiel, ist die Ungenauigkeit. Uns Deutschen wird ja immer nachgesagt, dass wir sehr ernst und genau seien. Früher habe ich das nicht geglaubt, aber nun ich überzeugt, dies stimmt.

Lichtschalter, Türklinken, Bilderrahmen sind obligatorisch schief angebaut. Eigentlich habe ich, außer in teuren Hotels/Restaurants, nie einen mit Wasserwaage angebauten Lichtschalter gesehen. Erstaunlich ist, dass die Leute damit trotzdem überleben können!!!! ;)

Da viele Chinesen ihrer eigenen Marke "Made in China" genauso viel Respekt entgegenbringen wie wir, werden ausländische Marken in sehr vielen Belangen bevorzugt. Deutsche und amerikanische Autos. Denn wenn "Deutsche etwas tun, dann machen sie es richtig" (Zitat eines Gesprächspartners).

Weiterhin stach mir eine gewisse Inkonsistenz, was die Einrichtung betraf, ins Auge: Einerseits ist das Bad ziemlich schlecht und dreckig, der Putz bröckelt ab, und andererseits steht dann in derselben Wohnung ein riesiger Plasmafernseher und die Anschaffung eines iPads wird bedacht. Statussymbole sind sehr wichtig um das "Gesicht zu wahren" (eigener Blogeintrag in Vorbereitung).

Die Küchen sind auch i.d.R. etwas anders ausgestattet, als in Deutschland: Es gibt immer einen eigenen "Reiskocher", dafür keinen Ofen, sondern nur Kochplatten. Besteck gibt es in der Regel nur Porzellan-Suppenlöffel und Stäbchen. Messer nur von der Kategorie Gemüsemesser bis Küchenmesser, da Brot fast unbekannt ist (siehe Essen I&II).

Folgen des billigen "Humankapitals"

Umzug organsisieren? Maler-party? All das, was in Deutschland zum Thema renovieren, umziehen, malern, umräumen, aufbauen, abbauen meistens durch einen selbst ("Heimwerken") oder mithilfe von Freunden passieren würde, wird hier in China schon ab einer relativ niedrigen Einkommensschicht delegiert (Facharbeiter, Bachelorabsolventen). Ein Handwerker kostet halt nur 1 oder 2€ pro Stunde. Allerdings ist die Arbeitsqualität und Motivation dann meist dementsprechend, weshalb eine strikte Kontrolle notwendig ist. (vielleicht ist deshalb alles schief?)

Friseur, Massage, Fußpflege und ähnliches ist dann natürlich auch sehr billig. Die Chinesen die ich traf, machen auch dies dann gern als Freizeitsev

Umwelt

Erkenntnis: Deutschland ist ein sehr sauberes Land. Pfand ist eine Errungenschaft

Leider gibt es sehr sehr viel Müll in China. Als turbokapitalistische Gesellschaft gibt es extrem viel Verpackungen. Dies gepaart mit einem fehlenden Umweltbewußtsein und "American Way of Life"-Denke, führt vielerorts zu extrem verdreckten Flüssen, Müll links- und rechtsseitig der Wahrzeichen und 0.5l Plastikflaschen quasi überall. In den Millionenstädten dich ich besuchte, Peking und Fuzhou, war die Luft stellenweise so schlecht und mit Autoabgasen versetzt, das mir übel wurde.

Dies ist ein schon sehr großes Problem, und wir bei der anhaltenden Nachfrage nach einem eigenen Auto sich in Zukunft auch noch verstärken. Angesichts des Energiehungers, ausgelöst durch einen sehr hohen Stromverbrauch pro qm in den Großstädten (flächendeckend Klimaanlagen, sehr viele e-Fahrräder, 3x am Tag Kochen) denke ich, wird das ganze System eher früher als später kollabieren. Allein in Peking gibt es schon mehr als 4 Millionen Autos, mehr als 80 Staus pro Tag, Tendenz steigend.

Fortsetzung folgt.